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DI Robert Pap, Mentalcoach und Raumdesigner. Gründer von Freiräumen.com mit dem Schwerpunkt Stressmanagement

Dez 01

Vorsicht! Wenn es keine Wahlmöglichkeiten mehr gibt.

By Robert Pap | Blog

Vorsicht! Wenn es keine Wahlmöglichkeiten mehr gibt.

Bei einer Persönlichkeitsveränderung braucht es auch Mut. Ich rede nicht von bewusstseinserweiternden Psychedelika, sondern von Merkmalen oder Charakteristika einer Person, die sich nicht von selbst ändern. Zuerst einmal hat es viele Vorteile, wenn wir uns entwickeln und dazulernen. Unsere Wahlmöglichkeiten werden größer.

Jedes mal, wenn wir mit einer neuen Situation konfrontiert werden, reagieren wir meist automatisch.

  • Wenn Sie zu spät zum Meeting kommen, Ihr Kind als Ausrede benutzen und behaupten, dass es getrödelt hat und Sie dabei vor der peinlichen Wahrheit ablenken wollen, dass Sie selbst getrödelt haben. Dabei denken Sie sich: "Meine Güte, was sind die pingelig. Es waren doch nur 4min."

  • Wenn Sie Ihr Auto in der Kurzparkzone mit den 15min gratis–Tickets von Ihrem Handy aus bedienen, statt mit einem kostenpflichtigen Ticket und Sie sich dann furchtbar aufregen, wenn Sie einen Strafzettel bekommen. "Haben die nichts Besseres zu tun?"

  • Wenn ein Kunde/Kollege/Chef Sie bittet, den Bericht bis Mittwoch 9:00 fertig zu machen und Sie ein Begräbnis am Dienstag vortäuschen. "Mit mir sicher nicht. Da habt ihr euch getäuscht."


Jeder Mensch verwendet genau die Wahlmöglichkeiten, die ihm oder ihr zu dieser Zeit zur Verfügung stehen. Daran gibt es nichts auszusetzen. Manche Menschen haben einfach keine Wahl, weil sie es nie gelernt oder nirgendwo gesehen haben, dass es auch anders geht. 

Natürlich gäbe es aus IHRER Sicht eine bessere Lösung für ein Verhalten, doch der Vogel ist eben mal das letzte Lebewesen, dem das Fliegen bewusst wird. Weil Vögel keinen Abstand zur Luft haben. Das, was uns täglich umgibt, nehmen wir nicht wahr. 

Eine entwickelte Persönlichkeit mit mehreren Wahlmöglichkeiten agiert anders:

  • Wenn Sie zu spät zum Meeting kommen, dann erwähnen Sie, dass Sie die Zeit übersehen haben und sagen den Anwesenden, dass es Ihnen leid tut. 

  • Reagieren Sie mit einem Schmunzeln, wenn Sie enttäuscht sind, dass Sie beim Parken erwischt wurden. Es war ein Spiel für Sie, das Sie verloren haben.

  • Den Bericht werden Sie nicht in Ihrer Freizeit schreiben, weil Sie zwar Zeit hätten, diese aber lieber mit Ihrer Familie verbringen. Sagen Sie das der Person. Freundlich, aber unmissverständlich.

Sie meinen, dass das nicht geht und Sie gefeuert werden, oder den Kunden verlieren, wenn Sie das machen. Es braucht Mut, doch vielleicht sollten Sie sich fragen, ob Ihre Werte, die sich in so einem Persönlichkeitsprozess entwickeln, mit denen des Unternehmens übereinstimmen. Meistens wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird. Und es sind immer noch Menschen, mit denen Sie zu tun haben. 

Diese persönliche Entwicklung hängt mit dem Ergründen der Motive zusammen, warum wir bestimmte Reaktionen im Alltag haben. Wenn Sie den Ursprung herausfinden, steigern Sie Ihre Handlungsspielräume.

Das ist emotional manchmal fordernd, doch es lohnt sich, weil sich das neue Repertoire auch auf Ihr Privatleben angenehm auswirkt. Es ist die Chance, aus frühkindlichen und pubertären Prägungen und Glaubenssätzen auszusteigen und die Ereignisse unter einer neuen Perspektive zu betrachten.

Erst wenn Sie erkennen, dass Sie in einer Worthülse gefangen sind, können Sie Ihr Verhalten ändern. Wir alle (auch ich) sind von Mustern aus der Vergangenheit betroffen und es ist eine Schritt für Schritt–Befreiung notwendig, um zu erkennen, dass es das eigene Verhalten und die bestimmte Reaktion auf einen Reiz ist, was uns zu schaffen macht und nicht die Person, die das Strafmandat austeilt.

Dez 01

Wie mutig sind Sie bei Veränderungen?

By Robert Pap | Blog

Wie mutig sind Sie bei Veränderungen?

Man sagt von den meisten Menschen, dass sie Veränderungen nicht mögen. Dabei sind es die Erneuerungen, die uns immer wieder erstaunen. Damit sich Werkzeuge wie WhatsApp, Facebook, Twitter und Co. entwickeln konnten, brauchte es eine neue Denkweise.

„Lernen ist ein Kinderspiel. Vergessen ist die Hölle“

sagt Tom Peters, ein US-amerikanischer Unternehmensberater und Bestsellerautor. Er berät die wichtigsten Think Tanks im Silicon Valley.  Steve Jobs hat bei seinem Wiedereintritt bei Apple im Jahr 1996 sämtliche Computermodelle von gestern, die zu großen Veränderungen in der Branche führten, weggeworfen und durch neue Prototypen ersetzt. So ganz nach dem Motto:

Aus den Augen, aus dem Sinn!

Erst durch ein in die Zukunft gerichtetes Denken und Handeln, sowie durch zwischenmenschliche Interaktion, wird das Morgen allgegenwärtig. Was heißt das jetzt für Sie konkret?

Beginnen wir mit einer Übung, die den Anschein hat, sehr leicht durchführbar zu sein. Sie hat es aber in sich. Es geht um Annahmen. Nehmen wir an, Sie haben gerade Ihren Job gewechselt. Sie freuen sich auf die neuen Aufgaben und die neuen Gesichter im Büro. Ein wenig Angst schwingt mit, weil Sie sich vor dem ersten Arbeitstag noch nicht sicher sind, was da auf Sie zukommt.

Beim Vorstellungsgespräch ist Ihnen Ihre Kollegin vorgestellt worden, mit der Sie die nächste Zeit zusammenarbeiten werden. Ihre Gedanken spielen verrückt, weil Sie sich ausmalen, wie sie wohl sein wird. Sie war ja im ersten Eindruck recht freundlich, doch Sie vermuten, dass sie eine ganz genaue Person ist. 

Sie haben nämlich bemerkt, dass sie sehr gut gekleidet ist.

Daraus schließen Sie, dass sie ihre Arbeitsweise vielleicht kritisieren wird, weil Sie einen anderen Arbeitsstil haben. Sie stehen am ersten Arbeitstag in der Früh vor Ihrem Kleiderschrank und überlegen sich schon zum dritten mal, was Sie heute Passendes anziehen sollen.

Kennen Sie dieses Kopfkino? Um sich auf den neuen und unbekannten Prozess einzulassen, ist es hilfreich, wenn wir uns kurz den Kindern widmen. Ein Kleinkind fällt laut einer Studie von Karen Adolph der New York University bei den ersten Versuchen gehen zu wollen 100 mal hin - täglich. Woher nehmen diese kleinen Erdbewohner diese Starrköpfigkeit? Warum geben wenigstens ein paar von ihnen nicht auf? Warum gibt es keine Krankheit namens

"Nichtaufsteh-Syndrom?" 

Alle gehen sie. Das ist doch unglaublich. Wir könnten die Antwort darauf auf instinkt- und reflexhafte Mechanismen in unserem Stammhirn reduzieren, doch das kommt zu kurz. Es fehlt etwas bei den kleinen Kindern. Etwas, was wir viel zu viel haben. Es ist das Wissen darüber, dass es nicht gehen könnte. Es fehlt also ein Plan B. 

Übertragen Sie nun diese Erkenntnis auf Ihr Vorstellungsgespräch und gehen Sie es gedanklich noch einmal durch. Der Unterschied zu der ersten Version mit dem Kopfkino ist jene, dass Sie sich sagen. „Ich weiß es nicht!“

Ob die Kollegin eine genaue Person ist wissen Sie nicht. Somit fällt die Vermutung weg, dass sie Sie vielleicht kritisieren könnte und einen ganz anderen Arbeitsstil hat wie Sie. Ihre Gedanken kreisen also vielleicht lediglich darüber, welche passende Kleidung Sie anziehen werden. Und das macht Ihnen kein großes Kopfzerbrechen. Die Fahrt zu Ihrem zukünftigen Arbeitsplatz ist von Neugierde und einer positiven Aufregung geprägt. Denn Sie wissen nichts.

Für diese neue Grundhaltung benötigen Sie vor allem  

  • innere Agilität, 

  • flexibles Denken und 

  • den Mut, Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie das haben, folgt die 

  • Koordination der Einzelentscheidungen. 

Sie haben nichts von der neuen Person, einfach nichts zu wissen. 

Doch den Kopf zu leeren und ohne Erwartungen in ein unbekanntes Terrain einzutreten ist nicht nur naiv, sondern kann auch gefährlich sein. Es braucht eine zeitlang konsequente Übung, um das eigene Gehirn auf diese Grundhaltung einzustimmen. Je nachdem, wie flexibel Sie in der Vergangenheit mit Veränderungen in Ihrem Leben umgegangen sind, ist es ein sehr individueller Prozess. 

Wenn wir den ersten Begriff der Agilität hernehmen, dann beinhaltet er schon sehr viele Aspekte. Was ist das Gegenteil eines agilen Menschen? Vielleicht ist er starr, unbeweglich und in seinen Abläufen festgefahren - zu strukturiert. Wir könnten ihn auch als verbildet bezeichnen. Er weiß einfach zu viel und ist alles andere als mutig und flexibel, um einmal etwas Neues auszuprobieren. 

Wie kommen Sie zu mehr Agilität im Leben?

In dem Sie etwas Neues ausprobieren. Fangen Sie klein an und gehen Sie einen anderen Weg in Ihre Arbeit, putzen Sie sich mit der anderen Hand die Zähne, geben Sie einem Gesprächspartner einmal recht, wenn Sie bis jetzt immer derjenige waren, der das letzte Wort haben musste.

Machen Sie einige Dinge in Ihrem Alltag ein klein wenig anders. Sie werden bemerken, dass es anfangs Mut braucht und Ihr innerer Kontrolleur wird es vielleicht albern finden und Ihre Gedanken und Handlungen in Frage stellen. 

Es braucht tatsächlich eine gewisse Überwindung, einmal mit dem Zug zu fahren, wenn man ein überzeugter Autofahrer ist. Doch dann kommen die Vorteile langsam ans Tageslicht. Meine Konzentration und mein Durchhaltevermögen beim Schreiben steigerte sich um das Doppelte, wenn ich auf längeren Zugstrecken oder in Cafés arbeitete. Hätte ich das nie ausprobiert, wäre ich auf dieses Potential nicht darauf gekommen. 

Mut zur Veränderung wird direkt in Form von Dopaminausschüttung belohnt, die nach einer Anstrengung direkt erfolgt und als Belohnung erlebt wird. Dopamin gehört zu der Gruppe der Neurotransmitter, die wesentlich rascher als Hormone reagieren.

Die Motivation wird durch Dopamin erhöht, jedoch nur, wenn unmittelbar ein

kausaler Zusammenhang zwischen der Leistung, dem Ergebnis und der Belohnung

hergestellt werden kann. Sei drei hunderttausenden von Jahren hat das so funktioniert. Wir Menschen gehen nur dann Risiken ein - und dazu zählt auch eine Veränderung - wenn sich dadurch die Investition sicht- und spürbar auszahlt. Wenn der Vorteil gegenüber dem Alten deutlich erlebbar wird. Reine Theorie reicht hier nicht aus.

Durch Wohlstand und Konsumverhalten gibt es ein Überangebot und wir können uns jederzeit einen kleinen Dopamin-Schuss verpassen. Shoppen hat so eine wunderbare Belohnungswirkung. Ich hörte auch schon Frauen sagen: „Komm, jetzt sind wir so lange im Café gesessen. Jetzt belohnen wir uns mit einer Shoppingtour.“ Die Anstrengung davor war also Kaffeetrinken und plaudern. Dass nach dem Kaffeetrinken kein Dopamin ausgeschüttet wird, war den Damen offensichtlich nicht klar.


Probieren Sie diese nichtwissende Haltung mit den Vorübungen einmal aus und schauen Sie, ob Sie mutiger werden und die Aufregung vor etwas Neuem nachlässt. Vielleicht tritt ja sogar Neugierde in Ihr Leben ein.

Nov 25

Worauf baut ein glückliches Leben auf? Es basiert auf vier Säulen.

By Robert Pap | Blog

Worauf baut ein glückliches Leben auf? Es basiert auf vier Säulen.

Was denken Sie, was es braucht, um glücklich zu sein? Ruhm, Reichtum, Macht und Schönheit? Viele Menschen glauben das tatsächlich und es wird auch so in den Medien vermittelt. Tatsächlich haben sich in den letzten Jahren in der Hirnforschung vollkommen andere Kriterien immer deutlicher herauskristallisiert.

Dabei handelt es sich um 

– erfüllende zwischenmenschliche Beziehungen, 

– einen ausgeglichenen Stress-Haushalt, 

– das Gefühl von Kohärenz und zu guter Letzt 

– Selbstwirksamkeit – also das Vertrauen auf die Möglichkeit, aus eigener Kraft Veränderungen herbeizuführen.

Diese vier Kriterien haben einen starken Einfluss darauf, ob Sie ihr Leben als gelungen empfinden oder eben nicht. Um zu verstehen, wie diese Faktoren wirken und wie man sie erreicht, hilft ein Blick auf die Funktionsweise unseres Gehirns. 

Obwohl Ihr Gehirn natürlich von Ihren Genen, Ihrer Kindheit und Ihrer Umwelt geprägt ist, bleibt es ein Leben lang flexibel. Das bedeutet, dass das Denken und die Gewohnheiten veränderbar sind – zumindest wenn man sich ein wenig mit der eigenen Gefühlswelt beschäftigt. Zunächst einmal ist es wichtig zu begreifen, dass Gefühle vergänglich und beeinflussbar sind. Sie sind nicht Ihr Herzschmerz, Ihre Hoffnungslosigkeit, Ihr Zorn. Diese Emotionen passieren Ihnen nur. 


Zwischenmenschliche Beziehungen

Wir Menschen hängen noch wesentlich stärker von unseren Mitmenschen und deren Nähe ab, als lange Zeit angenommen wurde. Tatsächlich sind stabile Beziehungen zu anderen Menschen von Geburt an eine Grundvoraussetzung für körperliche Gesundheit.


– Die Partnerschaft

Wenn Sie in einer Beziehung leben, hat Ihr Partner enormen Einfluss auf Ihren Hormonhaushalt sowie Ihr Immunsystem. Bereits eine relativ kurze Trennung kann zu Schlafstörungen, verspäteter Menstruation oder gar einem grippalen Infekt führen. Ist die Beziehung seit Jahren angespannt, kann eine kurze Trennung allerdings auch zu einem guten Schlaf und verbesserter Gesundheit führen.


– Soziale Kontakte

Darüber hinaus sind Beziehungen auch ungemein wichtig für die Psyche. Soziale Kontakte können bspw. dabei helfen, Depressionen zu überwinden und Traumata zu verarbeiten. Gerade im Kindesalter sind sie zudem unerlässlich, um Selbstkontrolle sowie einen bewussten Umgang mit den eigenen Emotionen zu erlernen.


– Die eigenen Kindheit

Beziehungsmuster, die Sie als Kind kennenlernen, ziehen sich durchs ganze Leben. Wer also schon als Baby Geborgenheit und liebevolle Bindungen erlebt hat, wird auch später wahrscheinlich keine Probleme haben, eine von Liebe und Wärme getragene Partnerschaft zu führen.


– Lernfähigkeit

Beziehungen machen uns sogar intelligenter! Wenn ein Lernprozess von einer positiven Beziehung und den damit verbundenen angenehmen Emotionen begleitet wird, steigt nämlich die Anzahl der Verknüpfungen im Gehirn.


Ein ausgeglichener Stress-Haushalt

Beziehungen sind ein bedeutender Faktor für einen ausgeglichenen Stress-Haushalt. Stress ist ein fester und notwendiger Bestandteil des Lebens. Er treibt Sie an und macht Sie stärker. Allerdings gilt wie so oft auch hier: Die Dosis macht das Gift.


–Stresstoleranz

Wie hoch eine gesunde Dosis ist, hängt dabei von der individuellen Stresstoleranz ab, die sich bereits im Mutterleib auszuprägen beginnt. Wenn die Mutter viel Stress erlebt, überträgt sich das unmittelbar auf ihr Kind. Und wer eine stressige Kindheit hatte, wird sich auch später leichter „stressen lassen“. Das heißt natürlich nicht, dass die Stresstoleranz ausschließlich von Kindheitserfahrungen bestimmt wird. Auch spätere Erlebnisse können die Anfälligkeit für Stress beeinflussen. Aber was ist Stress überhaupt biologisch betrachtet?


– Die Biologie

Stress wird vor allem durch eine Reihe von Hormonen gesteuert (Ich habe über den Cocktail ausführlich geschrieben). Das Hormon Cortisol hat einen bedeutenden Anteil bei chronischen Zuständen. Gleichzeitig erhöht Cortisol die Sensibilität für Stressauslöser. Sie werden aufmerksam und sind in einem Alarmzustand. Das bedeutet: Mehr Stress führt zu höherer Stressanfälligkeit – ein Teufelskreis.


– Der chronische Zustand

Ein solcher Stresszustand kann chronisch werden, wenn die individuelle Toleranzschwelle permanent überschritten wird. Wenn das passiert, ist der Körper in ständiger Alarmbereitschaft und diese Menschen befinden sich auf direktem Weg in eine Depression oder ein Burnout, wenn sie nichts dagegen tun. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Je mehr Stress Sie schon erlebt haben, desto besser sollten Sie darauf achten, dass er nicht Überhand nimmt – und v.a. dass er nicht zum Dauerzustand wird.


– Der Raubbau am eigenen Körper

Stress wirkt sich nämlich nur auf kurze Zeit positiv aus, ist also eher für Sprints als für Langstreckenläufe gedacht. Unter Stress stehen Ihnen alle Energiereserven zur Verfügung – für Kampf, Flucht oder eben den Endspurt vor einer Deadline. Diese gesteigerte Aktivität geht allerdings zulasten anderer Körperfunktionen. Schlaf, Immunsystem, Verdauung und Libido z.B. laufen auf Sparflamme, solange Sie unter Stress stehen. Eine hohe Dosis Cortisol kann sogar zum Abbau von Vernetzungen im Gehirn führen, was aus evolutionärer Sicht auch sinnvoll ist: Wenn Ihr Verhalten dazu führt, dass Sie dauerhaft gestresst sind, dann sollten die entsprechenden Verhaltensmuster besser aus Ihrer Datenbank gelöscht werden.


– Die Batterie aufladen

Damit sich die in der Stressphase vernachlässigten Mechanismen des Körpers wieder erholen können, brauchen Sie im Anschluss dringend eine Entspannungspause, insbesondere wenn Sie sowieso eine niedrige Toleranzschwelle haben.


Kohärenz


Kohärenz bedeutet so viel wie Stimmigkeit. Ein klassisches Gemälde mit realistischen Proportionen, ein harmonisches Musikstück, ein geschickt zusammengestelltes Outfit – solche Dinge lösen bei vielen Menschen ein Gefühl der Stimmigkeit aus. Der Begriff wurde vom US-amerikanischen HeartMath Institute eingeführt und beschreibt die Verbindung zwischen Herz und Hirn. Kohärenz ist ein komplexes Konzept, das außer Kunst und Mode noch viele andere Bereiche des Lebens betrifft.


– Ziele erreichen

Erfolg z.B. ist ein Kohärenz-Erlebnis: Sagen wir, Sie möchten eine Idee, die Sie in Ihrem Kopf tragen in die Wirklichkeit umsetzen und es gelingt. Diese Erfahrung empfinden Sie als kohärent. Der gewünschte Zustand wird deckungsgleich mit dem tatsächlichen Zustand.


– Der Placebo-Effekt

Eine andere, ziemlich nützliche Folge des Kohärenz-Strebens ist der Placebo-Effekt: Sie nehmen ein Medikament zu sich und erwarten, dass es wirkt. Also sorgt Ihr Gehirn dafür, dass es Ihnen tatsächlich besser geht.


– Die Sinnfrage

Auch das Bedürfnis nach Sinnzusammenhängen ist auf das Kohärenz-Streben zurückzuführen. Jeder Mensch sucht permanent nach Sinn in seinem Leben. Einige wollen etwas Großes für die Menschheit bewirken, andere leben einzig für ihre Kinder. Macht alles irgendwie Sinn, allerdings nur in den jeweiligen Köpfen. Chaos und Zufall sind dem Gehirn unangenehm. Es sucht daher immer nach Struktur und logischen Zusammenhängen, und wenn es die nicht gibt, stellt es sie eben eigenständig her. Sinn ist also nur ein Begriff für das, was IHR Gehirn erzeugt, um Kohärenz zu erleben.


Selbstwirksamkeit

Spielen Sie gerne Würfelspiele? Oder bevorzugen Sie Karten- und Brettspiele? Bei den einen hängt Ihr Erfolg vom Glück ab. Bei den anderen bestimmen Ihre Entscheidungen, ob Sie gewinnen. Was Sie bei Letzterem erleben, nennt man Selbstwirksamkeit. Es ist das Vertrauen auf die Möglichkeit, aus eigener Kraft Veränderungen herbeizuführen.

– Das Belohnungszentrum

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, das eigene Leben beeinflussen und Herausforderungen meistern zu können. Diese Erfahrung bewirkt, dass das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird. Dieser Vorgang verläuft in zwei Phasen: Während der ersten Phase wird der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, der Sie neugierig und aktiv werden lässt. Tritt der Erfolg einer Handlung wie erwartet ein, wird das Dopamin in der zweiten Phase in Morphium umgewandelt, woraufhin sich eine angenehme Entspannung einstellt.


– Desinteresse

Bei Misserfolg entstehen aus Dopamin allerdings die Stresshormone Noradrenalin und Adrenalin. Das durch sie ausgelöste Stressgefühl soll Sie antreiben, noch stärker für Ihren Erfolg zu kämpfen. Bleibt der Erfolg jedoch auch nach mehreren Versuchen aus, kann der Stress chronisch werden.

Ähnlich wie Stress wird auch ein Mangel an Selbstwirksamkeit mitunter zum dauerhaften Problem. Wer über längere Zeit keine Selbstwirksamkeit erlebt, wird passiv und desinteressiert. Das passiert z.B. bei Kindern, die nichts alleine machen dürfen. Der Grund dafür ist, dass das Gehirn alles abbaut, was es länger nicht benötigt. So wie eine Fremdsprache einrostet, wenn Sie sie nicht benutzen, können auch Gefühle und Gewohnheiten mit der Zeit verschwinden.


– Neugierde

Auf der anderen Seite wird alles, was oft in Gebrauch ist, vom Gehirn gestärkt. Wenn Sie die Dinge also öfter anpacken, fallen Ihnen dieses Anpacken irgendwann immer leichter. Die Selbstwirksamkeit hilft Ihnen, noch selbstwirksamer zu werden. Sie sorgt gleichzeitig dafür, dass Ihr Gehirn fit und interessiert bleibt – als Kind, als Erwachsener und auch im Alter. Oftmals reichen schon kleine Dosen dieses Gefühls aus, um die Lebensqualität merklich zu steigern.


– Verantwortung übernehmen

Dies bewies eine Studie der Psychologin Ellen Langer von der Harvard University. Im Rahmen eines Versuchs übertrug sie den Bewohnern eines Altersheims mehr Verantwortung für ihren Tagesablauf und gab ihnen außerdem eine Pflanze, um die sie sich kümmern sollten. Diese einfachen Aufgaben führten dazu, dass die Studienteilnehmer zufriedener und gesünder waren und ihr Leben länger genießen konnten als die übrigen Heimbewohner.


– Der Flow-Zustand

Eine besonders angenehme und intensive Form der Selbstwirksamkeit stellt sich übrigens im Flow-Zustand ein. In diesem Zustand ist man so konzentriert, dass man vollkommen in seiner Tätigkeit versinkt – und dabei ganz nebenbei auch noch eine enorm hohe Produktivität erreicht. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist allerdings der Sinn bei der Arbeit. Fehlt dieser, kann sich auch kein Flow-Zustand zeigen.


Nun kennen Sie die vier Säulen für ein gutes Leben.

– Zwischenmenschliche Beziehungen

– Ein ausgeglichener Stress-Haushalt

– Kohärenz

– Selbstwirksamkeit


Ein Gleichgewicht in allen vier Bereichen stellt sich allerdings nicht von alleine her. Je besser Sie Ihre Emotionen und Bedürfnisse kennen und die Vorgänge in Ihrem Gehirn verstehen, desto größer ist Ihre Chance, alles so einzurichten, dass es Ihnen gutgeht.


In welchem Bereich geht es Ihnen leicht von der Hand? 

Was ist Ihnen neu und noch unbekannt? 

Wie hoch schätzen Sie die vier Bereiche in einer Skala von 1-10 bei Ihnen ein? Wie gut sind sie ausgeprägt?

Geben Sie jedem der vier Bereiche eine Zahl. 40 ist der Gesamtpunktestand. 

Ist die Gesamtzahl aller vier Bereiche unter 20, dann ist es Zeit etwas für sich selbst zu tun. Ein Spaziergang mit mir in der Natur vielleicht? Kontaktieren Sie mich unter abundzu@freiraeumen.com

Nov 17

Über den Unsinn, ständig im „Hier und Jetzt“ sein zu wollen

By Robert Pap | Blog

Über den Unsinn, ständig im "Hier und Jetzt" sein zu wollen 

Für viele ist das "Im Hier und Jetzt" sein fast schon zur Religion geworden. Eckhart Tolle, der Begründer dieser Bewegung in der westlichen Welt, wird von seinen Anhängern wie ein Prediger gefeiert. Ich habe seine Bücher vor 20 Jahren gerne gelesen und bin nach wie vor begeistert von dem uralten buddhistischen Ansatz.

"Ist das was dich beunruhigt von dem realen Ereignis ausgehend, oder sind es nur meine Gedanken, die mich in die Emotion bringen?"

Manche Tolle Anhänger scheinen aber vergessen zu haben, was uns Menschen ausmacht und von den Tieren unterscheidet. Wir haben die Fähigkeit aus der Vergangenheit zu lernen und Fehler zu vermeiden. Und wir können in die Zukunft planen - aus einem gegenwärtigen Moment heraus.

Nun gibt es Fachleute, die uns sagen, wir sollen unsere Vergangenheit aufarbeiten, das innere Kind befreien, alte Verletzungen heilen lassen, verzeihen. Andere wiederum sagen, dass wir uns klare Ziele setzen sollen. Und die dritte Gruppe sagt:

"Vergiß das Alles. Es zählt nur der Moment!"

Es gibt noch eine vierte verrückte Gruppe, die behauptet, dass alle drei Zustände erstrebenswert sind. Ja was denn nun?

Schauen wir uns das einmal genauer an:

Die Vergangenheit. 

Die Psychologen, Aufsteller, Psychotherapeuten, Psychoanalytiker lieben es in der Vergangenheit nach den Ursprüngen zu suchen, warum wir heute so sind wie wir sind. Meine persönliche Meinung dazu ist, dass es mir zu einseitig ist, zu lange dauert und ich meist mehr Probleme mit nach Hause nehme, als vor der Therapie. Deswegen ist die Verhaltenstherapie und das Coaching in den letzten Jahren so erfolgreich geworden. Sie legen den Fokus auf die praktische Umsetzung und stochern nicht so lange in der Vergangenheit herum.

Menschen, die sich in der Vergangenheit suhlen und dort nur mehr die guten alten Zeiten sehen, oder sich an all das Leid erinnern, was damals passiert ist, können nicht in der Gegenwart leben. 

Das gibt es die Geschichte der zwei Männer, die im Liegewagen nach Mailand fahren. Sie kennen sich nicht. Als der, der unten schläft das Licht ausknipst und die Augen schließt, fängt der, der oben liegt zu jammern an.

"Ach, ich hab so einen Durst."

30 Sekunden Pause

"Was bin ich doch durstig."

10 Sekunden Pause

"Hätte ich doch noch etwas getrunken."

Wie er so dahin jammert, springt der, der unten liegt auf und geht etwas verärgert in den Speisewagen und holt ihm eine Flasche Wasser. Er gibt sie ihm wortlos und der, der oben liegt bedankt sich und trinkt die Flasche aus. Das Licht geht wieder aus. Es folgt noch ein mürrisches "Gute Nacht" von dem, der unten liegt und es sind nur mehr die Geräusche des Zuges zu hören. Es dauert nicht lange, da fängt der, der oben liegt an zu jammern:

"Ach, war ich doch durstig." Pause. Das Licht geht wieder an.

Was dann folgt überlasse ich Ihrer Fantasie;-)

Das Morgen

Dann gibt es jene Menschen, die auf etwas Großes warten. Auf den Karrieresprung, den nächsten Urlaub, das nächste Wochenende. Sie formulieren ständig neue Wünsche, kreieren Urlaubspläne und opfern dabei ihre Gegenwart. "Nach dem nächsten Projekt habe ich wieder mehr Zeit für die Familie." Die Hoffnung auf bessere Zeiten hinterlässt meist ein Loch in der Gegenwart.

Das Jetzt

Es ist auch kein Allheilmittel ständig im Jetzt zu leben. Grundsätzlich findet das Leben schon in der Gegenwart statt, doch die Vergangenheit und die Zukunft komplett auszuschließen ist sinnlos. Sie sind beide ständig da und wir schaffen ständig mehr davon. Dieser Satz ist bereits Vergangenheit, den Sie gerade gelesen haben. Der Wunsch, nach diesem Artikel etwas anderes zu machen, ist eine selbsterschaffene Zukunft.

Ich denke es braucht Rhythmen. Es gibt Zeiten, wo wir gerne einen Jahresrückblick halten und Zeiten, in denen wir unsere Zukunft planen. Beides hat seine Berechtigung. Für das Leben im Jetzt ist es sicherlich sinnvoll, den gegenwärtigen Augenblick - so er wirklich wichtig ist - möglichst mit allen Sinnen wahrzunehmen.

  • Das bedeutet, wenn meine Frau mir etwas erzählt, ich ihr in dem Moment genau zuhöre, was sie zu sagen hat.

  • Es bedeutet, meiner gerade mal sieben Wochen alten Tochter meine volle Aufmerksamkeit zu schenken - und sie zeigt es mir sofort, wenn ich es nicht tue;-)

  • Es bedeutet, das Mittagessen eben nicht gedankenlos herunterzuschlingen, während man auf Instagramm, facebook und Co checkt, was die "Freunde" gerade essen. Das gibt es wirklich!

  • Es bedeutet aber auch, seine Meinung zum richtigen Zeitpunkt zu sagen, auch dann, wenn sie nicht gefragt ist. Einzuschreiten und zu helfen, wenn es notwendig ist, ohne lange zu überlegen. Zivilcourage ist der Fachbegriff dafür, der für viele Menschen mittlerweile zum  Fremdwort geworden ist.

  • Gegenwärtig zu sein bedeutet, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen:  mit Humor, mit kleinen Komplimenten, spontaner Hilfe, zuhören, …

  • Im Hier und jetzt zu leben, kann bedeuten zu sich selbst zu stehen und gut zu sich zu sein.

  • Es bedeutet natürlich auch, Spaß am Leben zu haben.

Viele verwechseln das Leben im "Hier und Jetzt" mit Spaß haben, glücklich sein, einem Dauergrinsen, einem ständigen Wohlgefühl. Darin liegt wohl das größte Missverständnis.

Aus der Wahrnehmungsforschung ist bekannt, dass wir nur 5% bewusst mitbekommen. Das Eisbergmodell mit 80% unbewussten Anteilen ist übrigens bereits veraltet.

Stehen wir bei der roten Fußgängerampel neben der Strasse und sehen den Verkehr, die Fußgänger, die Fassaden und einen Mann mit einer Katze an der Leine, so fokussieren wir in dem Moment ganz stark und blenden alles andere aus.

Eine Katze an der Leine? Mitten in der Stadt?

Menschen, die überfordert sind, neigen dann zu Handlungen, die gesundheitsgefährdend sein können. Sie setzen völlig geistesabwesend einen Fuß auf die Strasse, obwohl die Ampel noch Rot ist. Die Katze hat sie völlig abgelenkt und alles andere nicht wahrnehmen lassen.

Während Sie vielleicht die Katze an der Leine vor Ihrem geistigen Bild sehen, passieren aber noch ganz viele andere Dinge, die Sie und ich überhaupt nicht mitbekommen. Und zwar auf dieser imaginären Strasse aber auch bei Ihnen zu Hause oder im Büro.

  • Nehmen Sie sich Zeit für die Vergangenheit und üben Sie sich in Dankbarkeit und Verzeihen (hier ein passender Blogbeitrag von Klaus Podirsky

  • Planen Sie zu einer passenden Zeit Ihre Zukunft. 

  • Seien Sie gegenwärtig, wenn sie mit Ihren Lieben im Austausch stehen. 

Aber vermischen Sie diese drei Zeiten nicht all zu oft. Alles Gute dabei. 

Nov 10

Es ist genau anders rum

By Robert Pap | Blog

Es ist genau anders rum

Meist ist unser Verhalten mit den vertrauten Erfahrungen aus der Vergangenheit verknüpft und nicht mit den unsicheren Aussichten einer möglichen Zukunft. Das ist einerseits gut, da wir dadurch Altbewährtes wiederholen, was uns wiederum Sicherheit gibt um zu überleben. Andererseits verschließen wir uns so vor bahnbrechenden Erneuerungen, die unser Leben um so vieles einfacher machen würde.

Was also, wenn die Forschung draufkommt, dass der Großteil unseres Verhaltens gesundheitsschädigend, kontraproduktiv und lebensverkürzend ist? Ich meine nicht die industriell veränderten Lebensmittel, auch nicht unsere klimaschädigende Lebensweise. Ich meine das eigene Glücksempfinden. Die Forschung sagt dazu, 

dass sie lediglich 10% des Langzeitsglücks einer Person vorhersagen kann, wenn 100% der externen sichtbaren Welt berücksichtigt wird. 


Wann waren Sie das letzte mal so richtig glücklich? Wie erfolgreich müssen Sie noch werden, um endlich glücklich zu sein?

All das, was da draußen stattfindet - das Ansehen, der Wohlstand, der bessere Job - ist für viele Menschen erstrebenswert und sie tun alles dafür, um das zu erlangen. Dafür arbeiten sie hart und meinen, irgendwann wird sich das Glück dann schon einstellen. Vielleicht am Pool in der gemieteten Villa in der Toskana bei einem Cocktail. Oder bei der Anschaffung des Traumautos.

Ich habe das alles bereits erlebt und kann sagen, dass es nur von kurzer Dauer ist. Die Intensität des Glücks wurde von Zielerreichung zu Zielerreichung mit jedem Jahr schwächer. 

War es Anfang 20 das erste eigene Auto (ein Dayhatsu Dreizylinder), was zu mehrmals wiederkehrenden und minutenlangen Glücksschreien führte, so löste das Traumauto (ein SUV von Volvo) Ende dreißig lediglich ein zufriedenes Lächeln aus.

90% des Glücks wird gar nicht durch unsere Außenwelt beeinflusst, sondern durch die Art wie unser Gehirn Gedanken, Emotionen und zwischenmenschliche Begegnungen verarbeitet. 

Ist das nicht verrückt?

Rennen wir vielleicht alle den falschen Zielen nach? Noch ein interessantes Detail aus Harvard: Unsere Intelligenz, die über den IQ gemessen wird und mit unseren Ausbildungen zusammenhängt, hat nur eine 25%ige Beteiligung am beruflichen Erfolg. Drei Viertel werden von Eigenschaften wie Optimismus, dem sozialen Umfeld und die Fähigkeit, Stress als Herausforderung und nicht als Bedrohung zu erleben, beeinflusst. 

Was aber machen Menschen, die ihren Job verloren haben, die eine Geschäftsidee in der Selbstständigkeit nicht bis zum Cashflow erfolgreich umsetzen konnten? Sie arbeiten noch härter und länger, um wieder erfolgreich zu werden und meinen dann, dass sich irgendwann das Glück, das sie einmal in früheren Jahren kurz in Händen halten konnten, wieder einstellen wird. Das vermitteln auch die meisten unserer Erziehungs- und Management-Methoden und unterstützen dieses Verhalten ganz massiv. 

Aus der Gehirnforschung ist mittlerweile bekannt, dass diese Vorgehensweise wissenschaftlich nicht zum erwünschten Ziel führt.

Es ist genau anders rum

Was macht das Gehirn, wenn es ein Ziel erreicht? Was machen Sie, wenn Sie endlich ein Ziel erreichen, das Sie sich vor Jahren gesteckt haben? Der erreichte Erfolg animiert das Gehirn dazu, die Ziellinie weiter nach oben zu verschieben um das nächstgrößere Ziel zu erreichen.  

Das macht der Vorstand eines Unternehmens mit den operativen Ergebniszahlen, wenn er sieht, dass im dritten Quartal die Zahlen gut erreicht wurden. Anstatt mit der Belegschaft den sensationellen Erfolg des vierten Quartals zu Weihnachten zu feiern, wird die Latte Im Herbst noch einmal höher gelegt. 

Haben Sie den ersten Halbmarathon  erfolgreich hinter sich, folgt der Marathon und in der Ziellinie nehmen Sie sich den Triathlon vor.  Alles gut, solange Sie wissen, was Sie da eigentlich machen. Seien Sie sich dessen bewusst, dass Sie dieses Verhalten Ihren Kindern weitergeben. Haben diese gute Noten, könnten sie noch besser sein. Haben sie später mal den ersten Job, wird es darum gehen, einen besseren zu bekommen. 

Wir haben in unserer Gesellschaft unser Glücksempfinden über den kognitiv wahrnehmbaren Horizont geschoben und spüren kaum mehr gemeinsam erlebtes Glück. Jeder kämpft für sich und jene, die es vermeintlich geschafft haben, werden beneidet und drohen zu vereinsamen. All das liegt daran, dass wir tatsächlich glauben, erfolgreicher sein zu müssen, um glücklich zu werden. 

Was also tun? 

Es geht darum, sein Gehirn in einen Zustand der Kohärenz zu bringen. Ein Zustand, der dann stattfindet, wenn unsere rational gesteckten Ziele mit dem Bauchgefühl und dem Herzen übereinstimmen. Das klingt jetzt ziemlich esoterisch und unglaubwürdig, doch genau diese Erkenntnisse sind in Harvard und anderen Forschungseinrichtungen herausgekommen. Es ist ein Grundgefühl von Optimismus, gepaart mit Dankbarkeit, welches über einen längeren Zeitraum im Alpha-Zustand trainiert wird. So werden im Gehirn und im Darm über den Vagus Nerv neue Muster erzeugt, die bei neuerlich auftretendem Stress auf eine ganz neue Weise abgetastet werden können. 

Und darum geht es. Um Ihre Fähigkeit, Ereignisse neu bewerten zu können.

Haben Sie bis jetzt Ihr Glück durch Vermeidung von Negativem geschmiedet, so wird durch die neuen Synapsen im Gehirn eine ganz neue Dimension der Lösungsfindung stattfinden. Dieser Veränderungsprozess wurde früher für unmöglich gehalten, doch die neusten Forschungen zeigen, dass durch die Neuroplastizität unseres Gehirns neues Verhalten auch im hohen Alter noch möglich ist. 

Und in dem wir uns Schritt für Schritt aus der Negativspirale lösen und uns von alten Mustern und Glaubenssätzen befreien, verändert sich unser soziales Umfeld. Neue Menschen unterstützen uns in unserem Vorhaben und geben uns Mut, weiterzumachen. Wir erkennen, dass wir unser eigener Architekt und Baumeister gleichzeitig sind und sind motiviert tagtäglich unseren Körper, unsere Gedanken und Emotionen sowie unsere Handlungen neu auszurichten, um Glück viel öfter als bisher zu erleben.

Wenn sie wissen wollen, wie sich das in Ihrem Alltag umsetzen lässt, dann begleiten Sie mich doch einmal bei einem dreistündigen Spaziergang in der Natur. Ganz gleich, wie das Wetter ist. Sie werden staunen, was das mit Ihnen macht, wenn Sie Ihre Denk- und Handlungsweise in Ihrem Leben einmal genau anders rum angehen.

Nov 03

Welche ELF Verhaltensweisen unterscheiden sehr erfolgreiche Menschen hinsichtlich Stress und Zufriedenheit von anderen Personen?

By Robert Pap | Blog

Welche ELF Verhaltensweisen unterscheiden sehr erfolgreiche Menschen hinsichtlich Stress und Zufriedenheit von anderen Personen?

Wie kommt es, dass Menschen, die sehr hohen Stressbelastungen ausgesetzt sind, kaum bis keinerlei Symptome aufweisen und andere Menschen mit offensichtlich viel kleineren Stressoren in arge gesundheitliche Bedrängnis kommen? Die drei Kategorien einer Stressfalle habe ich bereits beschrieben. Harvard-Professor Shawn Achor hat sich angesehen, was erfolgreiche Menschen, die nicht mehr gestresst sind, tatsächlich ausmacht und ist auf einen interessanten Trugschluss in unserer Gesellschaft gekommen.

Es ist nicht der Erfolg, der Menschen glücklich macht, sondern die innere Einstellung. Es ist genau umgekehrt zu dem, was vielen von uns vorgelebt wird.

"Arbeite hart, dann bringst du es zu etwas und dann wirst du auch glücklich sein."

Nein, genau anders rum. Wer glücklich ist, ist um über 30% produktiver, als jene Menschen die neutral oder missmutig gestimmt sind.


Die Intelligenz ist dann höher, die Kreativität verstärkt sich, der Energielevel steigt an. Verkäufer steigern ihre Leistung um 37 Prozent; Ärzte arbeiten 19 Prozent schneller und akkurater“, sagt Achor.

  • Wenn Sie akzeptieren, dass Sie selbst den eigenen Erfolg massiv beeinflussen und gestalten können, dann schaffen Sie damit die Basis für den Erfolg. 

  • Wenn Sie akzeptieren, dass Sie über Ihren Erfolg entscheiden, sind Sie auch verantwortlich für Erfolg oder Misserfolg. 

  • Dann gibt es auch keine Ausreden und externen Gründe für Fehlschläge mehr. 

  • Wenn Sie erkennen können, dass Rückschläge nur zeitlich bedingte Phänomene sind und als Lernerfahrung dienen können, dann akzeptieren Sie, dass es günstig ist, wenn Sie sich kontinuierlich weiterentwickeln und dazulernen.


Hier sind die von Jochen Mai - einem Social Media und Blog Experten - ausgearbeiteten 11 Verhaltensweisen die erfolgreiche Menschen ausmacht:

1 Zweifel aktiv angehen, anstatt zu resignieren

2 Veränderungen im Außen annehmen

3 Sich von Niederlagen nicht entmutigen lassen

4 Handeln statt abwarten

5 Risiken eingehen

6 Investieren in die eigene Persönlichkeit

7 Täglich die eigenen Erfolge dokumentieren

8 Beziehungen zu anderen Menschen pflegen

9 Träumen und die Seele baumeln lassen

10 Entschlossen sein

11 Dankbarkeit leben 


Und damit klar wird, was nicht erfolgreiche Menschen ausmacht, hat Mai auch hier ein paar Punkte zusammen geschrieben, die ich sehr spannend finde: 

1 Perfekt sein zu wollen

2 Kritik nicht annehmen können

3 Angst vor Fehlern

4 Es anderen recht machen wollen

5 Keine Verantwortung übernehmen

6 Sich nicht persönlich weiter entwickeln

7 Undankbar gegenüber fördernden Personen


Nun prüfen Sie einmal für sich, welche Bereiche Sie in der ersten Liste leben und welche aus der zweiten Liste. Welche Themen wollen sie spontan in der nächsten Zeit angehen und optimieren?

Wenn Sie wissen wollen, warum Rollen bei solchen Vorhaben besser ist als Schieben, dann schauen Sie sich diesen Artikel an. 

Nov 03

Vier Verhaltensweisen, die Sie unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie Fugu essen wollen

By Robert Pap | Blog

Vier Verhaltensweisen, die Sie unbedingt vermeiden sollten, wenn Sie Fugu essen wollen


Gleich einmal vorweg. Es wird in diesem Artikel ums Überleben gehen, auch wenn Sie noch nie den giftigen Kugelfisch Fugu gegessen haben, der in Japan als eine teure Delikatesse gehandelt wird. Fast jeder weiß es, dass sein Gift mindestens 1000 mal giftiger als Cyanid ist und es immer noch kein Gegengift gibt. Aber wir wissen ja auch, was uns nicht gut tut, uns irgendwann sogar früher ins Grab bringen wird und trotzdem machen wir diese ungesunden Sachen.

Eine der ungesündesten Sachen ist kaum bekannt und doch ist es fast genauso toxisch wie der japanische Kugelfisch. Es geht um eine Sache, die jeder von uns macht, seitdem wir auf der Welt sind. Wir Europäer machen es ganz besonders gerne und stecken sogar andere Kulturen damit an. In Deutschland tun es auch ganz viele Menschen.

In der modernen Medizin wird es überhaupt nicht als toxisch angesehen, doch die fernöstlichen Traditionen und indischen Philosophien berichten seit vielen Jahrhunderten davon. Bevor ich verrate, um welche ungesunde Sache es sich handelt, möchte ich ausschließen - aber das haben Sie wahrscheinlich soundso erwartet - dass es sich um ein Lebensmittel handelt. Nein, es geht um eine toxische Lebenshaltung.

In unserer gesellschaftlichen Entwicklung sprechen wir meist von zwei entgegengesetzten Sachverhalten die aufeinander treffen. Es gibt entweder Ja oder Nein, wir sind entweder dafür oder dagegen, es ist schlecht oder gut. Bevor Sie weiterlesen, machen Sie sich noch einmal ganz klar bewusst,
was in Ihrem Leben wesentlich ist. Und welche Ihrer Teilpersönlichkeiten steht Ihnen manchmal im Weg?

Diese Sichtweise hat sich in unserer Kultur, unterstützt durch die kirchlichen Instanzen, in den letzten hundert Jahren durchgesetzt und so stark etabliert, dass es nur jene bemerken, die einige Wochen außerhalb der westlichen Lebensweise verbringen. Hatten Sie schon einmal so ein Gefühl, nach einem längeren Urlaub abseits der Zivilisation, dass Ihnen Europa und unsere westliche Lebensweise fremd vorkamen? Falls nicht, kann ich es wirklich empfehlen. Das Gefühl hält übrigens nicht lange an.

Durch die kirchlichen Institutionen sind jedenfalls Himmel, Hölle und der Sündenfall entstanden. Durch die beiden Weltkriege verschlimmerte sich die Situation noch mehr und es gab auf der einen Seite die Guten, auf der anderen Seite die Bösen. Es ist eine duale Welt, in der wir leben.  Schwarz- Weiß. Und scheinbar wissen alle, was das Richtige ist. Entspannung, so meinen fast alle psychologisch ausgebildeten Menschen, kann nur erlebt werden, wenn zuvor Anspannung war. Doch diese Annahme ist nur für jene richtig, die den nächsten Schritt noch nicht gegangen sind.

Toxisch - jetzt kommt die Auflösung - ist jenes weit verbreitete Verhalten der Schuldzuweisung und einem sich darin enthaltenen Schwarz-Weiß-Denken. Den nächsten Schritt zu gehen bedeutet, aus diesen - vor allem meist voreiligen - Be- und Verurteilungen auszusteigen und innezuhalten. Doch unsere Gesellschaft scheint sich gerade in die andere Richtung zu bewegen.

Ein Verdachtsmoment in einem kleinen Dorf oder ein besorgniserregender Artikel in einer Zeitschrift und es wird sofort gehandelt. Irgendwem muss die Schuld in die Schuhe geschoben werden. Warum sind so viele Menschen gleich so leicht angerührt? Hier finden sie die Antworten


Auch wenn es keinerlei Anlässe gibt und niemand zu Schaden kam. Aus Angst vor dem gehässigen Mob, aus Sorge um den guten Ruf, wird die Zusammenarbeit mit den Verdächtigen sofort ruhend gestellt. Die Emotionen gehen in die Höhe und in den Foren der einzelnen Online-Medien zerfleischen sich die Trolle den Mund. 

Die Unschuldsvermutung gilt - zumindest wird darüber in den Medien geschrieben.


Themenwechsel. Fernost habe ich bereits erwähnt. Die Polarität von Yin & Yang ist auch vielen aus der TCM bekannt. Das Modell ist so aufgebaut, dass zwei einander entgegengesetzte Kräfte sich dennoch aufeinander beziehen und in ihrer maximalen Ausdehnung bereits die polare und entgegengesetzte Eigenschaft in sich enthalten.

Es lässt sich als ein im Uhrzeigersinn, den Jahreszeiten entsprechendes Zeitrad sehen. Aus diesem polaren Symbol wird bis heute in der TCM eine Diagnostik der Patienten erstellt. 

Warum ich jetzt mit esoterischem Gedankengut daherkomme?


Jetzt sind wir im Zentrum des Themas. Weil das Yin Yang Modell so gut erklärt, was hier eigentlich im Kleinen und im Großen immer wieder passiert. Wird ein Ziel angestrebt, das rein im Außen ist - Erfolg zum Beispiel - und dieses Ziel vehement verfolgt, kommt es am Höhepunkt zur Kehrtwende, weil das Innere im Menschen überhaupt nicht beachtet wurde.

Doch wer bewertet denn, ob es esoterisches Geschwafel oder eine wissenschaftlich aufgestellte Hypothese ist, die dann nach einigen Jahren wieder verworfen wird. Das ist die Grundhaltung unserer dualen Welt, die nur "entweder - oder" kennt. Zurück zu Yin und Yang.

Das was sich nie ändert in unserem Leben ist die Licht-Zu- und -Abnahme. Bis zum 21.12. werden die Tage immer kürzer, um dann langsam und kaum merkbar bis zum 21.3. wieder gleich lang wie die Nächte zu sein. Das ist eine der wenigen Konstanten in unserer sich ständig ändernden Welt. So ist das Yin/Yang Symbol entstanden. Die eine Kraft geht hinauf, die andere hinunter.

Davor gab es im Taoismus - eine fernöstliche philosophische Ausrichtung, die der Vorgänger vom Buddhismus war - eine Zeit, als diese Betrachtung von oben und unten noch ganz anders war. Nur ein leerer Kreis. Es war das Nichts im Kreis, aus dem alles andere entstand. Erst etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung entstand das fließende Symbol des heute bekannten Yin/Yang Symbols.

Und Fugu? Was geht in einem Menschen vor, wenn er sich freiwillig der Gefahr einer tödlichen Vergiftung aussetzt? Geltungsdrang? Mutprobe wegen zu wenig Selbstwert? Leichtsinn? Jedenfalls hat es nichts mit Yin/Yang und der Mitte zu tun. Auch hier ist die duale Bewertung deutlich zu bemerken.

"Wenn ich das schaffe, dann steigt mein Selbstwert."

Wenn Ihnen bewusst wäre, dass es nach jeder Abwärtsbewegung im Leben eine Aufwärtsbewegung gibt - und umgekehrt - was würde das mit Ihrem Streben nach Erfolg bewirken?

Nun zu den vier Verhaltensweisen, die Sie meiden sollten, wenn Sie mit Fugu oder ähnlichen dualen Phänomenen in Berührung kommen:

Lösen Sie sich von Bewertungen, die von Anderen ausgehen. Niemand kann Ihnen mehr Wert geben, als die Person, die Sie im Spiegel sehen.

2

Geben Sie sich mehr Zeit beim Bewerten anderer Menschen und Situationen. Sagen Sie öfters: "Ich weiß es nicht."

3

Gewöhnen Sie sich an, bei zwei Wahlmöglichkeiten (schlecht-gut, heiß-kalt, hübsch-hässlich, schuldig-nicht schuldig) nach einer dritten Alternative zu suchen. Es ist so befreiend.

4

Definieren Sie Erfolg ganz neu, relativieren Sie ihn und seien Sie dankbar für das was Sie haben.


Noch eine Geschichte aus früheren Zeiten und Yin und Yang:
In meinen Jahren als Student litt ich unter Verdauungsstörungen, vor allem vor den Prüfungen. Ich werde meinen ersten Besuch bei Dr. Liu nie vergessen. Ich öffnete vorsichtig die Tür, weil ich mich nicht so recht auskannte. Es gab kein klassisches Wartezimmer. Ich wartete eine Weile und als ich eine Stimme hörte, die mich in einen zweiten Raum bat, begrüßte ich Dr. Liu und setzte mich hin.

Sie schaute mich kurz an und sagte dann:

„Viel zu viel Yin. Sie öffnen Türe mit Yin, sie warten viel zu lange, haben eine schwache Hand bei der Begrüßung, eine nach vor gebeugte Haltung und setzen sich viel zu vorsichtig auf den Stuhl! Haben Sie Probleme mit dem Darm?“


Ich war sehr erstaunt, dass sie mich genau das gefragt hatte, weswegen ich zu ihr kam. Sie gab mir eine kurze Behandlung mit ihren Fingerkuppen, die wie Waffen einige Akupressurpunkte berührten und gab mir ein Rezept für eine 14-tägige Kräuterkur. Ich war vollkommen überrascht über ihre Kraft und verließ damals sehr verblüfft nach neun Minuten Behandlung die Ordination.

Nach 14 Tagen war meine Verdauung wieder in Ordnung, auch wenn die Kräuter nicht zu meinen Lieblingsgeschmäckern gehörten.

Heute beherrsche ich nach einigen fernöstlichen Ausbildungen und einem fast abgeschlossenen akademisch kinesiologischem Studium die Akupressurpunkte auch, doch meine Fingerkuppen sind noch keine Waffen. Da werde ich wohl noch ein wenig üben.

Okt 28

Die ursprüngliche Bedeutung von Stress und eine Übersicht unseres Hormoncocktails

By Robert Pap | Blog

Die ursprüngliche Bedeutung von Stress und eine Übersicht unseres Hormoncocktails


Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol, Kortison, Serotonin, Melatonin. Alles schon einmal gehört, doch beim Abendessen mit Freunden, geben wir dann doch wieder Halbwahrheiten von uns oder müssen Mr. Google kontaktieren.

Hier ist also die Übersichtsseite zum Nachschlagen der wichtigsten Hormone und wie sie vor allem in unserem Körper zusammenspielen. Besonders überrascht hat mich die unterschiedliche Wirkung von Nahrung bei Serotonin und Melatonin.

Was ist nun der ursprüngliche Grund für Stress?


Warum hat die Natur so etwas überhaupt eingerichtet? Die größte Zeit unseres menschlichen Daseins hatten wir kein Dach über dem Kopf und mussten auch in der Nacht auf der Hut sein. Stress bereitet den Körper auf die Flucht, den Kampf oder auf die Totstellung vor. Es sind die 3 berühmten f´s. fight, flee or freeze. Das geht alles in weniger als einer Sekunde. Blitzschnell. Es ist eine natürliche Alarmbereitschaft, wenn es ums Überleben geht.

Unser Gehirn kennt zwischen dem nächtlichen Rascheln eines Pumas und unseren heutigen Alltagsstress keinen Unterschied und schüttet dieselben Hormone wie vor 300.000 Jahren aus. Ist der Stress nur kurz und folgt darauf eine längere Erholungsphase ist das für unseren Körper kein Problem. Wenn dieses Schutzprogramm ständig hochgefahren wird und nicht mehr zur Ruhe kommt, dann drohen psychische wie körperliche Schäden. Und genau das passiert mit uns in der heutigen Zeit.

Hier nun die medizinisch korrekte Beschreibung, was denn nun genau in unserem Gehirn und Körper passiert und welche Hormone daran beteiligt sind.

Dopamin

Dopamin ist ein wichtiger Neurotransmitter des zentralen Nervensystems, der eine wichtige Rolle für die Fähigkeit spielt, Belohnungen zu erleben. Dopamin steuert die Motorik, Konzentration, Motivation und die mentale Leistungsfähigkeit. Gemeinsam mit Serotonin werden diese Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter ) als Glückshormone bezeichnet. Ein zu viel an Dopamin führt zu erhöhter Durchblutung verschiedener Körperregionen, insbesondere der Nieren. Aus Dopamin entsteht Adrenalin und Serotonin und es wurde lange Zeit geglaubt, dass dieses Vorprodukt keinen großen Stellenwert in unserem Körper hat, bis festgestellt wurde, dass bei zu wenig Dopamin parkinsonähnliche Zustände bei der Motorik entstehen.

Dopamin wird in der Notfallmedizin bei Herzinfarkt, schweren Infektionen und bei starken Blutdruckabfall eingesetzt. Im Zusammenhang mit dem Gefühl der Belohnung wird Dopamin aber nur dann ausgeschüttet, wenn wir relativ bald nach einer Anstrengung sehen können, wie das Ergebnis aussieht. Gerade im mittleren Management und in vielen anderen Arbeitsprozessen fehlt dieser Wahrnehmungsprozess. Dann wir auf Dauer weniger Dopamin produziert und wir fühlen uns nicht genügend motiviert, weil der Sinn im Tun fehlt. Es fühlt sich dann antriebslos und ohnmächtig an.

Adrenalin

Adrenalin war der erste Neurotransmitter, der im zentralen Nervensystem von Säugetieren gefunden wurde. Eine ältere Bezeichnung lautet Epinephrin, wobei das griechische nephros auf die Niere hinweist. Im Nebennierenmark produziert ist es ein Hormon. Es lässt uns bei Gefahr, bei einem Wettkampf oder einem stressigen Ereignis, wie eine Präsentation vor vielen Menschen, sofort handeln. Bereits in der ersten viertel Sekunde einer überraschenden oder gar lebensbedrohenden Situation, schießt Adrenalin in unseren Körper, damit wir maximale Leistungsbereitschaft in den Muskeln haben. Gleichzeitig werden die Bronchien stark erweitert, damit die Lunge voll arbeiten kann, um beim Davonrennen oder beim Kampf mehr Sauerstoff zur Verfügung zu haben.

Die Leber wird angeregt, sofort mehr Zucker für die beteiligten Muskelgruppen bereit zu stellen. Die Gefäße erweitern sich und das ist auch der Grund, warum es plötzlich so warm wird, wenn wir gestresst sind. Alle körperliche Vorgänge, die nicht für diesen einen Moment gebraucht werden (Verdauung, Entgiftung, Ausscheidung und vor allem das Immunsystem) werden auf Null runtergefahren, um Energie zu sparen. Dafür werden jene Reflexe auf ein Maximum raufgefahren, die für die bevorstehende Aktion benötigt werden.


Noradrenalin

Noradrenalin ist ebenso ein Nervenbotenstoff, der aktiv zwischen dem Sympatikus – dem Antreiber in unserem Gehirn – und dem Zentralnervensystem vermittelt. Er wird in der Nebenniere produziert und führt zu einer sehr wachen Aufmerksamkeit. Jede neue stressige Situation kann blitzschnell zu einer Emotion (meistens Angst) führen. Der Blutdruck wird massiv gesteigert indem Noradrenalin die Blutgefäße verengt. Sowohl die Adrenalin-, als auch die Noradrenalin-Wirkung ist nur von kurzer Dauer. Wird dieser Zustand jedoch zu lange aufrecht erhalten, dann folgt eine Gegenreaktion mit der Produktion von Cortisol.


Cortisol

Ursprünglich hat ein länger anhaltender hoher Cortisolspiegel die Aufgabe, die Stoffwechselvorgänge im Körper runter zu fahren, damit es zu keiner Unterzuckerung bei längeren Zeiten ohne Nahrung kommt. In der Medizin wird Cortisol dazu verwendet, um Entzündungen niedrig zu halten und überschießende Reaktionen zu minimieren. Gleichzeitig hat es eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem. Gemeinsam mit dem Insulin ist es für die Zuckerregulation im Blut verantwortlich. Es stellt bei körperlichem wie psychischem Stress mehr Zucker zur Verfügung und baut Eiweisbausteine im Gehirn zu Zucker um, damit das Gehirn ausreichend mit Energie versorgt wird. Personen mit dauerhaft höherem Cortisol-Level zeigen einerseits einen Verletzungsgrad der weißen Masse im Gehirn auf, können sich an weniger Dinge erinnern, haben eine geringere Aufmerksamkeit und in Folge davon ein geringeres Gehirnvolumen.

Abends ist der Cortisolspiegel sehr niedrig, in der Früh am höchsten. Ist die Stressbelastung auch unter Tags hoch, kommt es zu Verletzungen der Isolation der Nervenstränge. Das führt dazu, dass Signale nicht schnell genug weitergeleitet werden können und es zu vermehrter Aufregung kommt. Diese Phänomene treten vor allem bei Frauen auf. Was folgt, ist eine Schwächung der Nebenniere (Nebennierenrindeninsuffizienz), die zu chronischen Erschöpfungserscheinungen, Schlaflosigkeit und Aufmerksamkeitsdefiziten führt.


Kortison

Aus dem körpereigenen Kortison, welches in der Nebennierenrinde produziert wird, und die Vorstufe von Cortisol ist, gewinnt die Medizin das künstliche Kortsion, das mit dem natürlichen Cortisol identisch ist, in seiner Wirkung aber um einiges stärker wirkt. Langanhaltende Kortisongaben hemmen die Produktion des körpereigenen Cortisols und können bei einer Einnahme von mehr als drei Monaten zu Osteoporose führen.

Die Nebenwirkungen sind selbst bei kürzerer Einnahmezeit sehr vielfältig. Kortison wird in der Medizin vor allem bei Autoimmunerkrankungen zur Hemmung der Entzündungswerte verwendet. Gleichzeitig wird aber das Immunsystem gehemmt, die weißen Blutkörperchen (Abwehrzellen) reduzieren sich, was zu höherer Anfälligkeit bei Grippe und Erkältungskrankheiten führt. Ein Nebeneffekt bei Männern ist das vermehrt produzierte Bauchfett, dass sich zwischen den Organen (viszeral) anlegt. Selbst wenn gleich viel Nahrung zugeführt wird, steigt der Fettanteil bei Kortisongaben weiter an.


Serotonin

Wie schon erwähnt, ist Serotonin neben Dopmanin ein Glückshormon. Es steuert den Wach-Schlafrhythmus und sorgt für die gute Laune. Durch zu viel Kortisongaben wird Serotonin unterdrückt und es kann zu depressiven Verstimmungen kommen. Serotonin ist auch unser natürlicher Appetitzügler. Bei Stress wird Serotonin nur mehr eingeschränkt produziert. Körpereigenes Serotonin wird über die Vorstufe Tryptophan hergestellt, dass sich aber nicht über die in vielen Ratgebern angegebenen Nahrungsmittel wie Nüsse, Fisch, Rindfleisch, Bananen, Pilze und Bohnen vermehren lässt. Da Serotonin die Blut-Hirnschranke nicht überwinden kann, ist der Effekt der Nahrungsmittel sehr gering. Der größte Serotoninspeicher in unserem Körper ist der Darm. Doch dort löst das Hormon keine Glücksgefühle aus. Es sind auch nicht die Lebensmittel, sondern die von uns verknüpfte Bedeutung, die im Belohnungszentrum das Gefühl Glück auslöst.

Süßes ist meist Trostspender in der Kindheit und verankert sich so mit dem Gefühl. Und es ist wieder das Hormon Dopamin, was hier zum Tragen kommt. Essen wir in einer entsprechenden Situation Süßes oder stark kalorienhaltige Speisen, so entstehen Emotionen die in Form von Synapsen in uns verschalten sind. Mögen wir Schokolade und sehen wir sie, so werden im Gehirn jene Regionen aktiv, die Dopamin produzieren. Mögen wir Schokolade nicht, so löst es auch keine Reaktion in unserem Glückszentrum aus. Ganz gleich, ob wir sie essen oder nicht. Süß ist jedoch jener Geschmack, der evolutionsbedingt die höchste Sicherheit mit sich bringt, dass die Speise NICHT giftig ist.


"Es gibt da so ein paar Gemeinsamkeiten unter den Lebensmitteln, die häufig genannt werden. Und das ist evolutionsbiologisch gut zu verstehen, es sind nämlich fast immer sehr kalorienreiche, sehr energiereiche, sehr zuckerreiche Lebensmittel. Und wir mussten in der Evolution immer solche Lebensmittel bevorzugen, die viele Kalorien enthalten haben. Darum ist es nur zu verständlich, dass wir ein Belohnungssystem haben, das den Verzehr kalorienreicher Lebensmittel auch mit einer guten Stimmung belohnt." PD Dr. Thomas Ellrott, Institut für Ernährungspsychologie an der Universität Göttingen.


Melatonin

Der Gegenspieler von Serotonin ist das sogenannte Schlafhormon. Melatonin wird aus Serotonin gewonnen und ist das einzige Hormon der Zirbeldrüse (Epiphyse). Erst 1990 entdeckte der Wiener Forscher Franz Waldhauser unter der Leitung von Prof. Richard Wurtmann, dass die Gabe von Melatonin die frühen Schlafphasen verkürzt und die REM Phasen deutlich länger verlaufen. Im Unterschied zu Serotonin kann es die Blut-Hirnschranke durchdringen. Deswegen haben Nahrungsmittel wie Cranberrys, getrocknete Tomaten und Paprika, sowie Steinpilze und einige Getreidearten positive Auswirkungen auf unser Schlafverhalten.

Bei Dunkelheit wird Melatonin vermehrt produziert, bei Helligkeit reduziert. Es hat einen direkten Einfluss auf erholsamen Schlaf und auf den Tag/Nacht Rhythmus. Bei älteren Menschen steigt der Melatoninspiegel in der Nacht um den Faktor 3 an, bei Jugendliche um den Faktor 12. Im Winter bleibt aufgrund des geringes Sonnenlichts der Melatoninspiegel auch tagsüber hoch, was zu Müdigkeit und depressiver Verstimmung führen kann. Melatonin ist ein wichtiges Antioxidans und ein effektiver Radikalfänger. Gemeinsam mit anderen Oxidantien entsteht eine Vervielfachung dieses Effekts. Melatonin hat einen extrem hohen Schutz gegen mitochondrialen oxidativem Stress, der durch Sepsis ausgelöst wird, einem lebensbedrohlichen Zustand, wenn die körpereigenen Abwehrkräfte gegen eine Infektion die eigenen Gewebe und Organe zusätzlich angreifen.

Erstaunlich ist trotz der breiten medizinischen Anwendung seit vielen Jahrzehnten die fehlende Konzentrationsangabe bei Melatonin. Dadurch können auch keine genaue Angaben über Substitutionspräparate gemacht werden.

Beim Durchlesen bemerke ich, dass ich noch nie so viele rot unterwellte Fremdwörter in einem Text verwendet habe. Falls medizinisch fachkundige Menschen diesen Text lesen, dann bitte ich um Kommentare und Ergänzungen, ob diese Beschreibung dem Letztstand der Forschung entspricht.

Okt 19

Blog N° 40 – Chronische Unzufriedenheit im digitalen Zeitalter und ein tiefer Brunnen

By Robert Pap | Blog

Blog N° 40, Chronische Unzufriedenheit im digitalen Zeitalter und ein tiefer Brunnen

Wie groß ist Ihr Glaube an die eigenen Möglichkeiten, etwas Grundsätzliches im Leben verändern zu können? Angenommen Sie haben

  • chronische Rückenschmerzen 

  • schlafen nicht mehr so gut wie früher 

  • fühlen sich manchmal ausgebrannt und

  • sind abends einfach nur mehr erschöpft.

Erkennen Sie sich wieder? Dann geht es Ihnen wie den meisten Menschen im deutschsprachigen Raum. In einer groß angelegten deutschen Studie aus dem Jahr 2016 kam heraus, dass genau diese Merkmale zu einem unglücklichen Leben führen.

 Je älter die Menschen werden, desto unzufriedener werden sie. Unter anderem ging es in der Studie auch um die Stressbelastung und die Bereitschaft, etwas im Leben ändern zu wollen. Erstaunlicherweise ist diese sehr hoch, doch die meisten Menschen scheitern an der Umsetzung.

Änderungen in einem Lebensbereich haben Auswirkungen in anderen Bereichen und meist ziehen sie einen Rattenschwanz an Konsequenzen mit sich mit. Da lassen es die meisten doch gleich beim ersten größeren Hindernis ganz sein und begnügen sich mit der Ratte in der Hand, als dass sie sich nach der Taube am Dach strecken.

Ich weiß, es ist der Spatz. Der war mir in diesem Fall doch zu lieblich. 

Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir uns mit dem Mittelmaß begnügen? Ich meine, in den nächsten Jahren. Wenn wir uns nicht trauen, einen Sprung ins kalte Wasser zu machen, um etwas Großes im Leben zu ändern? Wenn wir die beruflichen oder privaten Umstände, die uns längst nicht mehr nähren, einfach so sein lassen, wie sie sind. Laut Studie  glauben 57% der 40-59jährigen, dass Durchhalten die beste Methode ist. Also ja nichts ändern. 

Und die meisten glauben dann tatsächlich, dass es so bleibt. Ihr Leben. Doch die Situation verschärft sich immer, wenn wir nichts tun.

Stillstand ist nie angesagt. 

Das Leben will, dass wir uns entwickeln und scheinbar ausweglose Lebenssituationen wollen gelöst werden, weil uns das weiter bringt. Was kommt dann? Nun – zuerst entsteht bei großen Veränderungen ein mehr oder wenig großes Chaos. Und das ist gut so. Kein Stein bleibt auf dem anderen.

Ein neuer Job, neue Wohnung, neuer Freundeskreis und vielleicht sogar ein neuer Partner. 

Was mir in den letzten Jahren bei meinen Klienten aufgefallen ist, dass die Geduld für solche lebensverändernden Vorhaben viel kleiner geworden ist. Die Geduld für den Transformationsprozess fehlt. Wenn dieser zu hastig oder zu wenig achtsam vollzogen wird, dann dauert es zwei oder drei Jahre und der Freundeskreis, die Wohnung oder die neue Partnerin sehen zwar anders aus, widerspiegeln aber dieselben Muster und der Lerneffekt war gleich Null.

Das digitale Zeitalter begünstigt die Geschwindigkeit. Gut tut sie uns aber in diesem Fall nicht. Nicht, wenn wir Großes vorhaben. Noch ein Phänomen ist zu beobachten: 

Kaum wer hat mehr die Geduld, sich auf andere Menschen wirklich tief einzulassen. Diese Bereitschaft, all die Besonderheiten anzunehmen, geht sprichwörtlich den Bach runter. Jetzt haben wir so viel Angebot wie nie zuvor und doch sind so viele Menschen unzufrieden. Woran liegt das?

Dazu sind nun zwei, wenn nicht drei verschiedene Sichtweisen notwendig.

1 Das Angebot

Zuerst einmal das Angebot. Das ist eindeutig mehr geworden. Auch bei der Partnersuche. Passt ein potentieller Lebensabschnittspartner nicht mit dem Vorgaben im App zusammen, dann wird er oder sie einfach weggewischt. Da kommt sicher noch was Besseres nach. Außerdem hat Abwechslung ja auch etwas Erfrischendes. Aber Moment! Ich schrieb doch von den älteren Leuten, die so unzufrieden sind. Sind es die mid-twenties denn auch schon?

Ja, es fängt schon viel früher an. Viel Auswahl haben bedeutet auch mehr Entscheidungen treffen müssen. Schicken Sie doch mal einen Menschen, der nicht regelmäßig einkauft - Ihr Kind zum Beispiel - in den Supermarkt und lassen Sie sich ein Joghurt holen. Das dauert!

Geben Sie Ihren Kindern in den ersten Jahren jeden Tag sehr viele Wahlmöglichkeiten, dann steigt der Cortisolspiegel im Blut an und das bedeutet nichts Gutes. Das Gehirn ist noch gar nicht in der Lage, so viele Entscheidungen treffen zu können und reagiert mit weiteren Neurotransmittern, die den Gefühlszustand des Kindes unleidlich erscheinen lassen.

Kein leichter Zustand für die Eltern, meinen Sie es doch gut, wenn sie ihre Kinder fragen, ob sie lieber in diesen oder jenen Kindergarten gehen wollen. Sie fragen ständig was die Kids wollen und möchten letztendlich nur eines: zufriedene und glückliche Kinder. Doch daraus wird nichts, wenn ständig gefragt wird. Das führt zu einer kompletten Überforderung, vor allem dann, wenn es Entscheidungen sind, die weitreichende Konsequenzen mit sich tragen und die das Kind überhaupt nicht abschätzen kann. Wollen Sie Ihre Unzufriedenheit mit Ihren Kindern ablegen, dann entscheiden Sie mehr selber und geben Sie viel mehr Dinge einfach vor. 


2 Das Belohnungssystem in unserem Kopf

Der zweite Aspekt, den ich im Zusammenhang mit chronischer Unzufriedenheit beleuchten möchte, ist unser Belohnungssystem und den Umgang mit der Digitalisierung.

Ab 40 wird es vielen zu viel. Es wird immer mehr Arbeit, die in noch kürzerer Zeit erledigt werden soll. Bei der Frage nach psychischen Beschwerden wie Erschöpfung, Ängsten und depressiven Verstimmungen ist die Generation ab 40 bereits überdurchschnittlich betroffen. Danach gefragt, ob der Stress schon einmal ein Ausmaß angenommen hat, das sie ohne professionelle Hilfe nicht bewältigen konnten, wiederholt sich der Trend.

Ab 40 wird es vielen bereits zu viel: 

der Beruf, die Familie, die viele meist selbstauferlegten Verpflichtungen, die in dieser Phase hinzukommen. Dopamin, Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin sind jene Neurotransmitter und Botenstoffe, die durch diese Lebensweise aus dem Ruder laufen und unser Körpersystem in einen chronisch erschöpften Zustand bringen. Die Nutzung des Internets und der social media – ganz gleich ob am Smartphone, Tablet oder am Rechner – sind so angelegt, dass wir einen ständigen Dopaminschub bekommen.

Dopamin wird im Gehirn gebildet und übernimmt dort die Funktionen  

  • Denken, 

  • Bewegung,

  • Schlafen,

  • Stimmung,

  • Aufmerksamkeit,

  • Motivation,

  • Suchen und

  • Belohnung.

Neueste Studien zeigen jedoch, dass es beim Dopamin in erster Linie um die Suche geht. Dopamin bringt uns dazu, zu wollen, wünschen, auszusuchen, und zu suchen. Es lässt uns neugierig auf Ideen werden und treibt unsere Suche nach Informationen an. 

Durch Internet, Twitter und WhatsApp erhalten wir schnelle Ergebnisse, wenn wir den Wunsch verspüren, etwas zu suchen. 

Ist eine Nachricht mit einem Signal verbunden, wird das Dopaminsystem erst so richtig angefeuert. Dies ist ein süchtigmachender Effekt, wobei kurze Nachrichten sogar noch süchtig machender sind: denn das Dopaminsystem wird am stärksten stimuliert, wenn die einkommende Information so klein ist, dass sie nicht voll zufrieden stellt. 

Unser Belohnungssystem im Gehirn wird bei jeder Mail, bei jedem WhatsApp stimuliert und ist irgendwann überlastet. Denn auch zu viel Dopamin ist nicht gesund.

Hier eine kurze Geschichte aus einer ganz anderen Zeitepoche, um zu verdeutlichen, was verloren geht und wie wir die chronische Unzufriedenheit, die Rückenschmerzen und den erholsamen Schlaf wieder zurück gewinnen können:

3 Der tiefe Brunnen

Ein Mönch war mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen beschäftigt. Er sagte zu seinen Besuchern:
„Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“
Die Leute blickten in den tiefen Brunnen: „Wir sehen nichts!“
Nach einer kurzen Weile forderte der Mönch die Leute erneut auf:
„Schaut in den Brunnen! Was seht ihr jetzt?“
Die Leute blickten wieder hinunter: „Ja, jetzt sehen wir uns selber!“
Der Mönch sprach: „Nun, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation: Man sieht sich selber! Und nun wartet noch eine Weile.“
Nach einer Weile sagte der Mönch erneut: „Schaut jetzt in den Brunnen. Was seht ihr?“
Die Menschen schauten hinunter: „Nun sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.“
Da erklärte der Mönch: „Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.“

unbekannt

Es gab Ende der 70er Jahre eine 13-teilige Serie eines Jungen, der sein Lächeln verkaufte und ab dem Zeitpunkt jede Wette gewann. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Timm Thaler. Der Film wurde 2017 neu verfilmt. 

So ähnlich kommt mir unser Verhalten in Bezug zur digitalen Welt vor. Wir haben viel Nutzen dadurch gewonnen, aber auch einen hohen Preis dafür bezahlt.

Um selbst darauf zu kommen, was Sie wirklich im Leben wollen, ist es meistens gut, einen Gang zurückzuschalten und echte Ruhe einkehren zu lassen. Am besten in der Natur ohne Smartphone.  

Oder Sie hören sich meinen Podcast zum mittleren Weg an.

Bei großen Änderungen im Leben lassen sich schlaue Menschen begleiten. 

Vielleicht gibt es ja einen guten Freund, einen Menschen, dem Sie sich anvertrauen können. Schauen Sie sich gemeinsam den Film an und reden Sie über die große Sache in Ihrem Leben. 

Und fragen Sie sich, inwieweit diese noch von Ihnen selbst entschieden wird? Alles Gute dabei.

Okt 13

Erkennen Sie das Gefängnis – und verlassen Sie es

By Robert Pap | Blog

Erkenne das eigene Gefängnis – und verlasse es 

Ich beschäftige mich ja schon länger mit dem Ausstieg aus der dualen Betrachtung unserer Welt. Es ist gar nicht so einfach, wie es in den unterschiedlichen Büchern dazu beschrieben wird. Die kulturelle Prägung ist dermaßen groß, dass ich mich immer wieder dabei ertappe zwischen ZWEI Dingen, Ereignissen oder Wahlmöglichkeiten wählen zu wollen.

Wir alle haben gelernt - und die wirtschaftlich Gebildeten haben es noch intensiver gelernt - wie wichtig es ist, Ziele im Leben zu haben. Wenn wir etwas erreichen wollen, dann gehen die meisten von uns so vor, damit sie die Dinge bekommen, die sie wollen. Und für die meisten von uns geht es darum, etwas zu bekommen - oder zu erreichen. Oder zu behalten. Ich meine damit nicht nur materielle Dinge. Ob Sie nun ein neues Auto haben möchten - ein ganz bestimmtes natürlich - oder endlich befördert werden wollen, ob Sie am Land leben oder mehr Grill-Abende haben wollen oder für Ihre Abteilung endlich ein neues Beleuchtungskonzept oder größeren Frieden mit Ihrem Nachbarn finden oder einen besseren Zugang zu Ihrem höheren Selbst haben oder endlich die Gedanken wie ein Mönch abschalten lernen oder mit mehr als 100 Leuten Sex haben möchten, bevor Sie 49 werden...


Alle wollen wir etwas. Und das ist das Gefängnis. 


Um etwas zu bekommen, was Sie wirklich wollen, braucht es vier Punkte, die Sie befolgen müssen (ich schreibe hier ganz bewusst "müssen"):

1) Große Klarheit und einen fokussierten Gedanken, was Sie genau wollen. Visualisieren Sie es am besten vor Ihrem inneren Auge
2) Einen zeitlich abgestimmten Plan, wie Sie dorthin kommen
3) Disziplin, viel Disziplin. Nur die, die durchhalten bekommen das, was sie wollen
4) Nicht aufgeben, immer wieder visualisieren und die kleinen Schritte in die richtige Richtung bemerken.

Das ist eine sehr effektive Art, etwas zu bekommen, was Sie wollen. Und viele Leute schreiben darüber. Viele meinen, es gibt gar keinen anderen Weg zum Glück als diesen. Und da ist es wieder, das Gefängnis. Nur wenn Sie diesen Weg einschlagen - und Sie müssen ihn genau befolgen - dann werden Sie erreichen, was Sie wollen.
Doch dieser Weg hat einen Preis. Mehrere sogar. 

Wenn Sie dieses Wollen als Gefängnis erkennen können, erst dann können Sie  es auch verlassen. Denn wie soll ich einen Raum verlassen, wenn ich gar nicht bemerke, dass ich mich in einem Raum befinde. 

Also was ist der Preis, in diesem Gefängnis des Wollens zu leben?

Glück - und immer wieder Unglück

Wie lange sind Menschen eigentlich glücklich, wenn sie ein Ziel erreicht haben? Wenn Sie schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, dann werden Sie bemerkt haben, dass die Zeitspanne des Glücks NACH einem erreichten Ziel immer kürzer wird. Die ganz schnellen unter uns definieren bereits ein neues Ziel, bevor sie überhaupt das zuvor definierte erreicht haben. Das Wesen dieser Programmierung oder Lebenshaltung hat einen Haken - wir brauchen immer mehr davon. Schließlich geht es darum, glücklich zu sein. Wo ist der neueste Trendsport, die ultraangesagte Serie, das klimaverträgliche Automodell?

Kraftverlust

Mit dem Alter merken einige von uns, dass es ermüdend ist, immer wieder neue Ziele zu verfolgen. Durch die Digitalisierung sind die Möglichkeiten, mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen, gestiegen. Der Stress ebenso. Wenn wir nach dem Gesetz der Zielerreichung leben, dann bekommen wir das was wir haben wollen, doch es laugt uns aus, macht uns krank.

Unflexibel

Halten wir uns an den vorgegebenen Plan, machen die Schritte, die notwendig sind, um an unser Ziel zu kommen, ganz gleich, was uns im Weg steht, dann passiert garantiert eines in unserem Leben: wir bekommen nicht mehr mit, was sich spontan zeigt, welche Gelegenheiten auf uns warten, welche Perspektiven aufgehen, wenn wir die Betrachtungsebene wechseln.

All das geht verloren. Es ist so, wie wenn wir von A nach B fahren und so schnell wie möglich dort sein wollen. Wir kriegen nichts mit, was links und rechts von uns ist. Es entgeht uns die malerische Landstraße und das Herbstlaub, wir sehen den alten Bäckerladen an der Straße nicht und werden nie wissen, wie das selbst gebackene Brot nach einem alten Rezept schmeckt. Aber gut wenigstens sind Sie auf etwas fokussiert.

Bedürfnisse statt Ziele

Wir bekommen zwar was wir uns gewünscht haben, wenn wir nach diesem Muster vorgehen, doch werden wir nicht das bekommen, was wir brauchen. Wenn wir uns in der Literatur umsehen – und für die, die nicht mehr lesen gilt dasselbe für Filme und Serien – dann fällt ein Protagonist in männlicher oder weiblicher Rolle immer wieder auf. Es sind Menschen, die etwas unbedingt wollen und wahnsinnig viel dafür geben. Am Ende der Geschichte bekommen sie nicht das, was sie sich in ihrem Kopf eingebildet haben, sondern das was sie brauchen um glücklich zu sein.

Dieser Themenleitfaden zieht sich meist durch die ganze Story hindurch – bei Serien sogar über viele Staffeln hinweg – und am Ende ist alles anderes und die Protagonistin bekommt etwas ganz anderes als geplant.
Was lernen wir daraus? Wir könnten uns eine Menge Zeit im Leben sparen, wenn wir herausfinden was wir im Leben brauchen, statt was wir wollen. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. 

Wenn Sie sich die Zeit nehmen und darüber nachdenken und hinein spüren, was Sie wirklich brauchen, dann kann es sein, dass Sie sich einfach nur gut fühlen möchten. Und dass das "Ziele setzen" und das "Wünsche hinterher jagen" vor allem von diesem Grundgefühl und der Sehnsucht getragen ist, sich gut zu fühlen.
Wie Sie zu so einer Erkenntnis kommen können, braucht nichts weiteres als drei Stunden Zeit bei einem Spaziergang mit mir in der Natur und den Mut, die eigenen Bedürfnisse von den eigenen Wünschen unterscheiden zu lernen. 
Also warum kürzen Sie Ihre Geschichte nicht einfach mal ab, verlassen Ihr eigenes Gefängnis und lernen wieder, was es bedeutet, wenn Sie sich so richtig gut fühlen.

Das was jetzt ist, ist gut.

Dann können Sie auch erkennen, dass die duale Welt Sie in einem Gefängnis festhält, dessen Sie sich meistens gar nicht bewusst sind. Also, raus mit Ihnen!

Ich mach das jetzt und beende dieses spannende Kapitel.
Ahhhhh, das ist gut so.

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